Talbot 1978-1986 - DAS ENDE

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Talbot -

Die Freude am Automobil

TALBOT 1978 - 1986 (1992)

1974 wird Peugeot Mehrheitsaktionär bei Citroën. Bis zur endgültigen Fusion der beiden Marken vergehen zwei Jahre. Aus dieser Fusion entsteht 1976 der PSA-Konzern, mit dem sich der Wachstumskurs des Unternehmens Peugeot in großen Schritten fortsetzte. Noch weitreichender war die Übernahme von Chrysler Europa am 10. August 1978, wodurch PSA zum größten Auto-Konzern Europas wurde.

 

Das US-Unternehmen Chrysler hatte die traditionsreiche französische Firma Simca sowie die englische Firma Rootes schrittweise, und dann 1970 ganz übernommen und daraus das Unternehmen Chrysler France gegründet. Weder bei Simca noch dann bei Chrysler dachte man daran, den Namen Talbot für sportliche Fahrzeuge zu verwenden (obwohl man ja auch durch den Kauf von Rootes die alten englischen Markenrechte übernahm).

 

Überlegungen diesbezüglich gab es erst nach dem Aufkauf von Chrysler France durch den PSA-Konzern. Zuerst wollte man der neu erworbenen Firma den Namen Simca wiedergeben, aber Marktforscher ermittelten, das der Markenname schon zu stark mit dem Namen Chrysler verbunden ist, und es eher hinderlich wäre für zukünftige Aktivitäten. Es drängte die Zeit einen neuen Namen für das Unternehmen Chrysler France zu finden, da man den Namen Chrysler nach dem Aufkauf nur noch ein Jahr benutzen durfte. Es gab zwischenzeitlich Überlegungen dem Unternehmen den Namen Panhard (Panhard et Levassor wurde 1967 von Citroën übernommen, und seit dem Zeitpunkt wird der Name Panhard für gepanzerte Fahrzeuge verwendet) zugeben. Davon kam man aber schnell wieder ab, da sich der traditionelle Name „TALBOT“ gerade zu aufdrängte. Er war in der französischen, sowie in der englischen Konzernhistorie von Chrysler France gleichermaßen verwurzelt.

 

PSA hatte nur noch 100 Tage Zeit für eine neue Marketing-Strategie, ein neues Firmen-Logo usw. zu entwerfen. Am 15. April 1979 trafen sich 30 Personen des neuen Talbot-Unternehmens und der Werbeagentur „ Young & Rubicam“ unter größtmöglicher Geheimhaltung, um das neue Firmenbild zu erstellen. Am 10. Juli 1979 war es dann soweit, und die europäische Presse berichtete über die ersten Details. Die Namensänderung wurde sehr schnell in die Tat umgesetzt, die Niederlassungen sowie die Vertragshändler bekamen neue Firmenschilder, es gab neues Briefpapier, Prospekte, Preislisten, Handbücher, Embleme an den Fahrzeugen usw.

PSA übernahm auch die gesamte KFZ-Produktionsabteilung von Matra, sowie einen 45% Anteil am Matra-Konzern. Ebenso übernahm man die englische Dodge-Gesellschaft(Commer)mit dem Werk in Stoke on Trent die schwere Lastkraftwagen sowie Teile für den iranischen Paykan herstellte.

 

Für in Frankreich verkaufte Fahrzeuge bevorzugte man weiterhin die Bezeichnung Simca.

Die noch unter Chrysler entwickelten Pkw -Modelle sind unter dem Namen Talbot bzw. Talbot-Simca weitergebaut worden, die bei Matra gebauten Fahrzeuge bekamen nun den Markennamen TALBOT MATRA und die in England gebauten Modelle wurden nun auch als TALBOT weitergeführt.

 

Als Präsident der neugegründeten „Automobiles Talbot“ ist Francois Perrin-Pelletier ernannt worden, der keine leichte Aufgabe hatte die Firma auf den richtigen Kurs zubringen.

 

Mit der Namensänderung kam auch der Talbot 1510 als Nachfolger der Simca-Modelle 1307/08/09 auf den Markt. Weiterhin gab es den Horizon, den alten Simca 1100 (auch als Nutzfahrzeug), den 2L, sowie die Matra´s Bagheera und Rancho, sowie den Talbot Sunbeam.

 

In England wo die Firma nun als

„Talbot Motor Company Ltd“ firmierte, gab es noch den alten Avenger und der 1510 wurde dort als Talbot Alpine verkauft.

Im Sportlichen Bereich begann die Entwicklung eines Formel-1-Wagens mit dem Namen Talbot-Ligier unter Mitwirkung des Rennwagen-Konstrukteurs Guy Ligier und mit Einsatz eines V12-Motors von Matra.

 

Im Frühjahr wurde der Talbot Solara vorgestellt, eine Stufenheck-Limousine auf dem Fahrwerk des Talbot 1510. Zwei weitere neue Modelle werden auf dem Pariser Salon der Öffentlichkeit präsentiert:

Den Matra Murena als Nachfolger des Bagheera sowie den Talbot Tagora als Nachfolger des 2L.

 

Unterdessen entwickelt sich die Übernahme der europäischen Chrysler-Werke in Frankreich, Spanien und Großbritannien für PSA zu einer harten wirtschaftlichen Prüfung. 1980 schreibt der Konzern einen Verlust von 1,5 Milliarden Franc. Im französischen Hauptwerk Poissy wurde die Produktion der Fahrzeuge durch Streiks fast zum Erliegen gebracht. PSA kündigte an Talbot eventuell zu verkaufen oder auszugliedern um nicht weiter die finanziellen Belastungen der Produktionsunterbrechung tragen zu müssen.

Am 24. September 1980 gab der Vorstandsvorsitzende von PSA bekannt, das die beiden Organisation Automobiles Peugeot und Automobiles Talbot rückwirkend zum 1.1. 1980 fusionieren. Automobiles Peugeot übernahm den Verkauf beider Programme in einer gemeinsamen Verkaufsorganisation. Talbot wird nun als Tochtergesellschaft „Talbot et Cie.“ von Automobiles Peugeot geführt.

1981 musste PSA aber weiterhin wirtschaftliche Probleme bewältigen. Das englischen Werk in Stoke on Trent musste zeitweise schließen, das Werk in Linwood wurde ganz geschlossen und die Produktion des Talbot Sunbeam sowie des Avenger eingestellt. Das Werk in Ryton, das den Talbot Alpine herstellte, bekam seine Montageteile nun aus Frankreich geliefert. Im selben Jahr wird die Produktion des alten Simca 1100 aufgegeben, nur die Nutzfahrzeugvarianten werden weiterhin produziert.

 

Die Sozialistische Partei Frankreichs schlägt eine staatliche Beteiligung an dem Konzern vor, aber die Regierung winkte ab.

PSA verkaufte 50% des Kapitals an der Dodge-Gesellschaft an Renault Véhicules Industriels, die eine englische Produktionsstätte suchte.

 

Die Marktanteile sackten immer weiter ab.

 

In Poissy begann man auf der Fertigungstrasse des

Simca 1100 den Talbot Samba zu produzieren.

In Großbritannien wurde der Talbot Express die Rechtslenker Version des Transporters Peugeot J5 auf den Markt gebracht.

 

Im Frühjahr 1982 brachen erneut Streiks in den französischen Werken von Talbot und auch Citroën aus. PSA baute Arbeitsplätze in allen Werken ab. Man verkaufte die Supermarktkette RAVI und den 45% Anteil am Matra-Konzern. Matra-Automobile wurde in die Selbständigkeit entlassen.

Für 1982 musste der PSA Konzern einen Verlust von über 2 Milliarden ausweisen.

 

Um für den Konkurs von Talbot nicht haftbar gemacht zu werden, gliederte Automobiles Peugeot 1984 die Gesellschaft Talbot et Cie. wieder aus.

 

Die in Großbritannien hergestellten Modelle Talbot Solara und Alpine wurden in Rapier und Minx umgetauft wurde (zwei bereits von Rootes verwendete Namen, die jedoch bis zu diesem Zeitpunkt nicht für Talbot-Automobile verwendet worden waren).

 

Die Situation normalisierte sich erst 1985. PSA entscheidet, die Marke Talbot zugunsten der Entwicklung neuer Peugeot-Modelle endgültig einzustellen. Dies bedeutete das Aus der Marke Talbot. Aus den bereits produzierten Teilebeständen werden noch bis Ende der 80er Jahre in den Talbot-Werken in Spanien und Großbritannien Fahrzeuge produziert und verkauft. Bereits 1986 endet der Talbot-Verkauf in Frankreich und Deutschland. Das letzte von Talbot selbst entwickelte Fahrzeug, das als Nachfolger des Horizon entwickelt wurde, war der 1995 vorgestellte Peugeot 309. (ursprünglich geplanter Namen Talbot Arizona).

 

Erst Ende 1985 wurde für den englischen Markt die zusammengesetzte Bezeichnung Peugeot-Talbot eingeführt. Der Talbot Express wurde noch bis 1992 in Großbritannien verkauft, und der neue Peugeot 309 wurde als erstes Peugeot-Modell in der Talbot-Niederlassung von Ryton produziert.

 

Ende der 80er Jahre überlegte man bei Peugeot, ob man den mit Fiat gemeinsam entwickelten Minivan nicht als Talbot verkaufen sollte. Das Auto wurde letztendlich doch als Peugeot 806 bzw. Citroën Evasion auf den Markt gebracht.

In den neunziger Jahren wurden dann bei allen Peugeot-Talbot Filialen und Vertragshändler die Talbot Schilder entfernt.

Der PSA-Konzern hält aber bis zum heutigen Tag die Markenrechte von Talbot oder Simca und der ehemaligen Marken der Firma Rootes.

 

Von Zeit zu Zeit tauchen Berichte in der Presse auf, dass eine der Marken für z.B. ein Low-Cost-Fahrzeug wiederverwendet werden soll.

 

Liebhaber oder Fans der Marke Talbot hoffen aber eher, das PSA den Markennamen irgendwann, vielleicht für ein Nobelfahrzeug oder gar einen Sportwagen ausgräbt.